Kirche im Januar
Jahreslosung 2026
02.01.2026
Liebe Dassendorferinnen, liebe Dassendorfer,
erst kracht es, dann klirrt es. Nach einem kurzen Moment, in dem unser Sohn den Scherbenhaufen betrachtet, den ich angerichtet habe, sieht er mich völlig unbefangen an: „Das musst du mal neu kaufen, Papa!“ Dass der emotionale und der sachliche Wert eines Gegenstandes nicht immer in eins fallen, ist ihm in diesem Moment nicht klar. Auch dass Geld nicht auf Bäumen wächst, sondern verdient werden will, wird er noch lernen müssen. Als ob man alles mal eben so neu kaufen könnte.
Wobei ich es ihm gar nicht verübeln kann, dass es in seiner Vorstellung so funktioniert. Schließlich wächst er in einer Zeit auf, in der unser gesellschaftlicher Wohlstand genau diese Botschaft vermittelt. Oder wann haben Sie Ihre letzte Socke gestopft? Dass ich mein aktuelles Handy mehrere Jahre nach Anschaffung noch immer benutze – den penetranten Werbeanrufen meines Mobilfunkanbieters nach zu urteilen, völlig absurd. Vorbei die Zeiten, in denen repariert, ausgebessert und geflickt, vielleicht gar von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Neu kaufen ist günstiger. Entsprechend entsorgen wir recht unbefangen und beschaffen neue Schuhe, neue Wandfarbe, einen neuen Fernseher. Und dort, wo ich meine, dass mich der status quo nicht mehr erfüllt, mit zunehmender Freiheit auch einen neuen Beruf, einen neuen Wohnort, einen neuen Partner.
„Siehe, ich mache alles neu!“, sagt Gott in der Jahreslosung für 2026 (Offenbarung 21,5). Und der Verheißung eines Neuanfangs wohnt ja auch ein Zauber inne. Wobei es durchaus einen Unterschied macht, welcher Art dieser Neuanfang ist. Denn nach allem, was wir wissen, neigt unser Gott dazu, bis weit über jede Schmerzgrenze hinaus am Kaputten festzuhalten. Zumindest dann, wenn es sich bei diesem Kaputten um seine Kinder handelt. Kaum ein „Heiliger“ der Bibel, der schon nach den Maßstäben der Zehn Gebote nicht eigentlich aussortiert gehört hätte. Das Volk, mit dem Gott einen Bund geschlossen hat, damit die ganze Welt an seinem Beispiel erkennt, wie Leben gelingen kann? Meistens damit beschäftigt, Macht und Wohlstand hinterherzulaufen und sich die Ohren zuzuhalten, wenn es um Gott geht. Also nicht anders als wir.
Nur ist Gott anders als wir und hält an uns fest. Je kaputter, desto entschiedener. Bis er Mensch wird und sich am Kreuz selbst aussortieren lässt, um wirklich alles neu zu machen. Denn vom Kreuz her streckt Christus seine Hand nach uns aus, um uns gerade dort zu berühren, wo wir zerbrochen sind – und uns hinüberzuziehen in ein neues Leben, in das wir unsere Schmarren und Schrammen zwar mitnehmen, aber doch lernen trotz, mit, vielleicht sogar dank ihrer heil zu werden, (ge)heil(igt) in Gottes Gegenwart. Der Auferstandene trägt noch die Wundmale des Kreuzes. Aber er trägt das Leben selbst in sich. Das ist Gottes Art des Neuanfangs.
Und unsere? Es gibt Hoffnung. Zumindest war bei meinem Sohn neulich keine Rede mehr von Neukauf. Da hieß es: „Papa, das musst du `parieren!“ Ein Anfang. So wie ich auch Ihnen und Euch einen segenserfüllten Anfang des Jahres wünsche:
Ihr und Euer Pastor Konrad Otto